Markus König
Markus König
6.10.2026
Lesezeit: 3 Min

Vibe Coding – Webseite einfach von der KI programmieren lassen?

Eine professionelle Webseite erstellen, ohne programmieren zu können?
Mit ChatGPT und anderen KI-Systemen scheint das inzwischen möglich zu sein. Man beschreibt einfach, was man haben möchte:
„Erstelle mir eine moderne Webseite für meinen Handwerksbetrieb.“
Die KI liefert HTML, CSS und JavaScript. Fehlt etwas, bittet man um eine Änderung. Funktioniert etwas nicht, soll die KI den Fehler beheben.

Diese Arbeitsweise wird häufig als Vibe Coding bezeichnet. Das funktioniert erstaunlich gut. Es hat allerdings einen Haken:
Eine Webseite, die funktioniert, ist nicht automatisch eine gute oder sichere Webseite.

Eine KI kann Fehler machen

Und das ist wirklich das Einzige, worauf man sich verlassen kann! Denn KI denkt nicht. Sie ist auch nicht intelligent. Sie ahmt nur etwas nach, worauf sie trainiert wurde. Stimmt der aktuelle Kontext nicht mit den Trainingsdaten überein, kann das zu Fehlern führen.
Darum ist es enorm wichtig, Fehler zu erkennen und zu beheben. Kontrollieren Sie unbedingt den Code, den die KI erstellt hat!

Zeichnung, die eine KI mit einer Aufgabe zeigt

Das Design der Webseite

KI kann nicht designen, sondern nur passende Designs finden. Das heißt, die KI sucht nach Seiten mit ähnlichen Inhalten und orientiert sich an deren Design. Ihre Webseite wird also starke Ähnlichkeit mit den Seiten Ihrer Mitbewerber haben. Die Botschaft an Ihren potenziellen Kunden lautet: Wenn die Webseiten so ähnlich sind, wird in der Arbeit der Betriebe wohl auch kein Unterschied bestehen.

Ein Problem, das auch auftritt, wenn Sie mit billigen Anbietern für CMS-Webseiten arbeiten. Sie werden das Design des aktuell gehypten Templates bekommen. Ein Webentwickler kann aber (normalerweise) so viel mehr für Sie tun.

Zeichnung, die das Design einer Webseite zeigt

Finden Sie den Fehler

Beim Vibe-Coding sagen Sie der KI, was sie machen soll: „Erstelle ein Kontaktformular“. Sie füllen es dann testweise aus, klicken auf „Senden“ und bekommen die Nachricht. Super, es hat funktioniert! Doch von außen können Sie nicht erkennen, ob das Formular beispielsweise gegen Spam und Manipulation geschützt ist oder ob ein Angreifer darüber Schadcode einschleusen kann. Bei Datenbankoperationen (für CMS obligatorisch), Anmeldebereichen oder Datei-Uploads kann hier ein Fehler Kundendaten preisgeben. Das ist in vielerlei Hinsicht sehr teuer!
Teuer kann es auch werden, wenn Sie ein kleines Modul oder Plugin für ein CMS programmieren lassen. Denn unter Umständen hat ein (echter) Programmierer dieses Modul oder Plugin bereits erstellt. Die KI findet diesen Code und stellt ihn Ihnen zur Verfügung. Dann verstossen Sie(!) gegen Urheberrrechtt. Nicht die KI! Führen Sie hier also unbedingt eine Rückwärtssuche durch.

Zeichnung, die einen Nutzer zeigt, der einen Fehler in einem Code sucht

Datenschutz kann schon beim Erstellen zum Problem werden

Sie haben einen Fehler festgestellt und übermitteln der KI den (wahrscheinlich) fehlerhaften Teil des Codes zur Fehlerbehebung. Dadurch erhält die KI aber unter Umständen Zugang zu Datenbanken mit Kundendaten oder anderen vertraulichen Informationen. Damit kann aus einer einfachen technischen Frage plötzlich ein Datenschutzproblem werden. Sind die Einstellungen bei Ihrer KI falsch, können diese Daten sogar weiterverbreitet werden!

Zeichnung, die den Verlust von Daten zeigt

Und wer haftet, wenn etwas passiert?

Das ist vermutlich die wichtigste Frage. Angenommen, die KI erstellt einen Kundenbereich für Ihre Webseite. Durch einen Programmierfehler können Kunden jedoch nicht nur ihre eigenen Dokumente, sondern auch die anderer Kunden aufrufen. Dann hilft Ihnen vermutlich wenig, dass die KI diesen Fehler verursacht hat. Die Verantwortung bleibt bei Ihnen als Betreiber der Webseite. Sie lässt sich nicht an die KI abgeben.

Zeichnung, die einen Anwalt vor Gericht zeigt

Ist Vibe Coding deshalb eine schlechte Idee?

Nein. Auch wir verwenden künstliche Intelligenz bei der Webentwicklung. Der Unterschied liegt darin, wer den erzeugten Code beurteilt.
KI kann einem erfahrenen Entwickler viel Arbeit abnehmen. Sie kann Funktionen erstellen, Fehler suchen und Lösungsvorschläge machen. Der Entwickler muss aber verstehen, was die KI programmiert hat, Sicherheitsprobleme erkennen und entscheiden können, welcher Code tatsächlich auf dem Server landet. Denn eine KI kann heute erstaunlich gut programmieren, macht dabei aber auch erstaunliche Fehler.

Auch wir setzen KI bei der Programmierung ein. Doch wir überprüfen den Code, bevor er auf den Server gelangt. Weil wir es können. Sicher!

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